Wie werden Kohlenwasserstoff-Vorräte geschätzt

Es gibt weltweit kein einheitliches System für die Einstufung der Kohlenwasserstoff-Vorräte, jedoch gibt es einige angenommene Standards dafür. Russland hat sein System vor einiger Zeit daran angepasst.

Sowjetisches Erbe

Die Kohlenwasserstoff-Vorräte sind ein Teil der Bodenschätze im Erdinneren, dessen Umfang im Zuge geologischer Erkundungen ermittelt und beim Beginn der Gewinnung präzisiert wird. 1928 wurde in der UdSSR ein Klassifizierungssystem geschaffen, demgemäß die Vorräte als vorbereitet (Kategorie A), erforscht (Kategorie B) und voraussichtlich (Kategorie C) eingestuft wurden.

 
 
 
 

Neues russisches System

Das sowjetische System für die Schätzung der Vorräte vervollkommnete sich mit der Zeit und wurde im Ergebnis einem neuen System zugrundegelegt, das an die 2001 angenommenen Weltstandards für die Einstufung der Vorräte angepasst wurde. Gemäß dem neuen russischen System werden die Vorräte als erforschte Vorräte (Kategorie A, B, C), vorab geschätzte Vorräte (Kategorie C2), aussichtsreiche Ressourcen (Kategorie C3) und voraussichtliche Ressourcen (Kategorie D1, D2) eingestuft. Jedoch unterscheiden sich die russischen Standards immer noch wesentlich von den internationalen Standards.

 

PRMS

2007 entwickelte das Society of Petroleum Engineers (SPE) ein Management-System für Kohlenwasserstoff-Vorräte (Petroleum Resources Management System/PRMS). Gemäß PRMS-Standards werden die Vorräte als nachgewiesene, wahrscheinliche und mögliche eingestuft. Dabei wird nicht nur die Tatsache des Vorhandenseins von Kohlenwasserstoffen im Erdinneren in Betracht gezogen, sondern auch der wirtschaftliche Sinn der Förderung dieser Kohlenwasserstoffe. Berücksichtigt werden sämtliche Gewinnungs- und Transportkosten, aktuelle Preise für Kohlenwasserstoff-Rohstoffe und andere Faktoren.

SEC – noch strenger

Es gibt auch Standards, die von der Kommission der USA für Wertpapiere und Börsen (Securities and Exchange Commission/SEC) festgelegt sind. Die SEC-Standards sind besonders streng, weil danach die höchsten Anforderungen an die Kategorie der nachgewiesenen Vorräte gestellt werden, und auch die Gültigkeitsfrist der Lizenz berücksichtigt wird: Die Vorräte gelten nicht als nachgewiesen, wenn deren Gewinnung nach Ablauf der Lizenz geplant ist.

Globale und russische Vorräte

Nach den internationalen Standards betragen die globalen Erdgas-Vorräte ca. 174,14 Billionen Kubikmeter, wenn man nur die Hauptgewinnungsregionen betrachtet. Der Anteil von Russland macht 47,65 Billionen Kubikmeter aus, d.h. ungefähr ein Drittel der globalen Erdgas-Vorräte. Dabei besitzt Gazprom ca. 70% der russischen Erdgas-Vorräte.

Die Vorräte von Gazprom werden sowohl gemäß dem russischen Klassifizierungssystem als auch gemäß den PRMS-Standards geschätzt. Die internationale Wirtschaftsprüfung der Gazprom-Vorräte wird seit 1997 von unabhängigen Engineering-Unternehmen durchgeführt. Gemäß der russischen Einstufung der Vorräte besaß Gazprom nach dem Stand am 31. Dezember 2010 33,1 Billionen Kubikmeter Erdgas, 1,3 Mrd. Tonnen Kondensat und 1,7 Mrd. Tonnen Erdöl. Gemäß den internationalen PRMS-Standards werden die nachgewiesenen und wahrscheinlichen Kohlenwasserstoff-Vorräte auf 28,7 Mrd. Tonnen Vergleichsbrennstoff geschätzt.