Was sind verflüssigte Kohlenwasserstoffgase

Die verflüssigten Kohlenwasserstoffgase (LHCGs) werden aus Erdölbegleitgas gewonnen. Das sind reine Gase oder spezielle Gemische, die für die Heizung der Häuser, als Fahrzeugbrennstoff und für die Erzeugung erdölchemischer Produkte verwendet werden können.

Y-grade NGLs an GFU

Die verflüssigten Gase gewinnt man aus der breiten Fraktion der Kohlenwasserstoffe (Y-grade NGLs), die ihrerseits aus dem Erdölbegleitgas (APG) extrahiert werden.

Die Zerlegung der Y-grade NGLs in entsprechende Komponenten – einheitliche Kohlenwasserstoffe – erfolgt an Gasfraktionieranlagen (GFU). Dieser Zerlegungsprozess ähnelt dem Zerlegungsverfahren für APG. Allerdings ist er in diesem Fall sorgfältiger durchzuführen. Aus Y-grade NGLs können bei der Gasfraktionierung verschiedene Produkte entstehen. Dies kann Propan oder Butan sowie ein Propan-Butan-Gemisch sein (es wird als TPBM bzw. als technisches Propan-Butan-Gemisch bezeichnet). Das TPBM ist eine besonders verbreitete Art der verflüssigten Gase – gerade in dieser Form wird dieses Produkt den Privatpersonen und den Industrieunternehmen zur Verfügung gestellt und auch exportiert. So entfielen 42% aus 1,762 Mio. Tonnen LHCG, die von Gazprom Gazenergoset 2010 verkauft wurden, auf das Propan-Butan-Gemisch, ein Drittel der Lieferungen – auf Butan, und ca. 14% – auf Propan.

Durch die Zerlegung der Y-grade NGLs erhält man auch technisches Butan und technisches Propan, das Fahrzeug-Propan (MFP) bzw. das MFPB-Gemisch (Fahrzeug-Propan-Butan).

Es gibt auch andere Komponenten, die durch die Verarbeitung der Y-grade NGLs extrahiert werden. Das sind Isobutan, Isobutylen, Pentan und Isopentan.

Wie werden verflüssigte Gase eingesetzt

Die verflüssigten Kohlenwasserstoffgase können verschiedenartig verwendet werden. Jeder kennt wahrscheinlich schon seit sowjetischen Zeiten grell rote Gasflaschen mit der Beschriftung Propan. Sie werden für Haushaltsgasherde und die Heizung in Einfamilienhäusern auf dem Lande, wo es keine zentrale Gasversorgung gibt, eingesetzt.


Verflüssigtes Gas – üblicherweise Propan oder Butan – kann auch in Feuerzeugen verwendet werden.

Verflüssigte Gase werden auch für die Heizung von Industrieunternehmen und Häusern in den Regionen eingesetzt, die das Fernleitungserdgas noch nicht erreicht hat. In diesem Fall wird das LHCG in Gasholders gespeichert – speziellen überirdischen oder unterirdischen Tanks.

Propan-Butan nimmt, gemessen an der Wirtschaftlichkeit, den zweiten Platz hinter dem Fernleitungserdgas ein. Dabei ist das LHCG umweltfreundlicher als Dieselbrennstoff und Heizöl.

Gas in Motoren und für Pakete

Verflüssigte Gase werden als Alternativbrennstoff für Fahrzeuge eingesetzt.
Derzeit ist der Einsatz von Gasmotorentreibstoff sehr aktuell, weil der aus 34 Mio. Fahrzeugeinheiten bestehende russische Fahrzeugpark jährlich 14 Mio. Tonnen Schadstoffe in den Abgasen emittiert. Und das macht 40% der gesamten industriellen Emissionen aus. Die Abgase der mit verflüssigten Gasen betriebenen Motoren sind um einiges weniger schädlich.

Die Abgase von Gasmotoren enthalten nur die Hälfte bis ein Drittel an Kohlenmonoxid (СО) und um das 1,2-fache weniger Stickstoffmonoxid. Dabei kostet verflüssigtes Kohlenwasserstoffgas um ca. 30–50% weniger als Benzin.

Der Gasmotorentreibstoff-Markt entwickelt sich aktiv. Derzeit zählt Russland über 3.000 Gastankstellen und über 1 Mio. Gasflaschenfahrzeuge.

Zuallerletzt sind verflüssigte Kohlenwasserstoffgase ein Rohstoff für die erdölchemische Industrie. Zur Produkterzeugung werden die LHCGs einem komplizierten Prozess – Pyrolyse – unterworfen, der unter äußerst hohen Temperaturen verläuft. Als Folge entstehen Olefine – Äthylen und Propylen – die sich anschließend infolge der Polymerisierung in Kunststoffe und Plastikstoffe verwandeln – Polyäthylen, Polypropylen und andere Produktarten. Die von uns jeden Tag benutzten Plastiktüten, Einweggeschirre, Behälter und Verpackungen für viele Produkte werden also aus verflüssigten Gasen hergestellt.