Wie Gas gefahrlos zu gewinnen ist


Der Zustand von Gaspipelines wird ständig kontrolliert. Den Menschen helfen dabei die High-Tech-„Pigs“, die durch die Rohre in schwer zugänglichen Bereichen kriechen.

Kilometer und Milliarden

Die Gazprom-Gas-Pipelines sind 160.400 Kilometer lang. Die Rohre, in eine Linie aneinander gelegt, könnten die Erde viermal umrunden. Die Lebensdauer von 70% aller bestehenden Pipelines übersteigt 20 Jahre. Das Gastransport-System wurde so gebaut, dass die Rohre unter der Erde und unter Wasser mehrere Jahrzehnte liegen können, ohne ersetzt oder repariert zu werden. Jedoch legt Gazprom jährlich Mittel im Investitionsprogramm für Rekonstruktion und Reparaturen des Gastransport-Systems an. Diese Mittel werden für die regelmäßige Inspektion des Zustandes der Gasleitungen verwendet: es werden die korrodierten und die zu ersetzenden Abschnitte ermittelt. 2009 wurden zu diesem Zweck 36,5 Mrd. Rubel zugeteilt.

Gas-Pipeline: wie lange lebe ich noch?

Es ist nicht immer notwendig, beschädigte Rohre durch neue zu ersetzen – man kann mit Hilfe spezieller Berechnungen ermitteln, wie lange die Gasleitung noch dienen wird. Dieses Verfahren heißt Abschätzung der Restlebensdauer. Für die Berechnung muss man die Korrosionsgeschwindigkeit des Metalls und die Korrosionsaktivität des Bodens kennen. Manchmal genügt es, einen Abschnitt erneut zu isolieren, d.h. seine Antikorrosions-Schutzschicht zu ersetzen. Dazu werden Bitumen-Isolierung, die werkseitige PE-Beschichtung oder Kunststoff-Bänder verwendet.

0,2 Schäden pro Jahr

Um zu erfahren, wann die Wiederholexpertise durchzuführen ist, wird die s.g. Bewertung der lokalen Schadens-Rate durchgeführt.

Für die Analyse der Werte der lokalen Schadensrate sind Informationen über Vorfälle und Ausfälle am betreffenden Teil der Gasleitung, die Expertenbewertungen der konstruktiv-technologischen Besonderheiten und Informationen über Baubedingungen, den Betrieb und den technischen Zustand des Abschnitts erforderlich.

Die Schadensrate wird durch die Anzahl der Havarien an einem 1000 Kilometer langen Abschnitt der Gasleitung pro Betriebsjahr gemessen. Statistik: die durchschnittliche Schadensrate an russischen Ferngasleitungen beträgt 0,2 Schäden/a pro 1000 km.

Inspektion durch „Pigs“

Viele Gaspipelines sind in Regionen mit rauem Klima verlegt, wodurch sie schwer zugänglich werden. Für die Inspektion ihres Zustandes werden spezielle Techniken eingesetzt. Eine davon ist die Technik der In-Rohr-Fehlersuche, bei der spezielle Molche – In-Rohr-Fehlersuchgeräte – eingesetzt werden. Englisch heißen solche Geräte „pigs“, und die russischen Erdgasfachleute nennen sie auch so (russisch „svinja“ bzw. „chrjuschka“). Die „Pigs“ sind batteriebetriebene Fachgeräte, die durch das Rohr kriechen und die Informationen über den Zustand der Gasleitung aufnehmen.
Ein „Pig“, das durch die Strecke von Nord Stream zu kriechen hätte, müsste über 1200 km zurücklegen.

 
 
Das „Pig“ wird durch den
Gasdruck in Bewegung gesetzt
Zur Fehlerermittlung verwendet das „Pig“ Magnetfelder
Abgesehen von der Informationserfassung schlägt das Molch-Fehlersuchgerät die Schmutzablagerungen an Rohrwandungen ab

Der Einsatz spezieller Verfahren und Geräte für die Reparaturen der Gas-Pipelines erlaubt, mit den Brennstoff- und Energieressourcen sparsam umzugehen. Die neuen Verfahren für Erprobung und Reparaturen der Bohrlöcher erlauben auch, hohe Kennziffern für Energieersparung und Energiewirtschaftlichkeit zu erreichen. 2009 hat Gazprom 2,6 Mio. Tonnen Einheitsbrennstoff eingespart, 2179,3 Mio. Kubikmeter Erdgas inklusive – diese Menge würde reichen, um die Regionen von Novosibirsk und Tomsk mit Brennstoff zu versorgen.