Wie werden die Unterwasser-Gaspipelines gebaut

Ein Meer kann bis zu einigen Kilometern tief sein. Es ist eine schwierige Aufgabe, die Rohre am Boden zu verlegen. Am Boden der Nordsee verlaufen jedoch 6000 km Rohrleitungen, und einige davon sind schon 40 Jahre alt.

Das weltweit größte Schiff – Solitaire – ist 300 Meter lang und ca. 40 Meter breit. Eben dieses Schiff wird beim Bau der  Pipeline Nord Stream eingesetzt.

Auf der Suche nach Hindernissen

Der Anteil von Unterwasser-Gaspipelines am Erdgas-Import nach Europa macht 45% aus. Vor Verlegung einer Pipeline wird der Meeresboden die ganze Strecke entlang sorgfältig untersucht. Die Fachleute müssen alle potentiellen Hindernisse ermitteln wie Wracks, Munitionen und auch große Steinblöcke. Gegebenenfalls werden entweder die Hindernisse beseitigt oder eine Umleitung projektiert. In dieser Phase ermitteln die Fachleute auch diejenigen Stellen, wo der Boden für die Pipeline zu vertiefen oder aufzufüllen ist.

Sämtliche Rohre für die künftige Pipeline werden besonders behandelt. An der Innenseite mit einer Reibungs-Schutzbeschichtung, die den Widerstand bei Gasbeförderung mindert. Oben mit einer Antikorrosionsbeschichtung und anschließend mit einer Beschwerungs-Betonschicht.

Schwimmende Häuser

Die unmittelbare Verlegung der Rohre auf dem Meeresgrund erfolgt mit speziellen Rohrverlegeschiffen. Die Verlegeschiffe sind riesengroße schwimmende Häuser, in denen sich gleichzeitig einige Hundert Menschen aufhalten können.

Bei der Rohrverlegung wirken in der Regel mehrere Schiffe gleichzeitig mit – spezielle Lastkähne beliefern die Verlegeschiffe kontinuierlich mit Rohren, und vor dem Verlegeschiff befindet sich ein Schiff, das den Meeresboden überwacht. Die bereitgestellten Rohre werden auf die Lagerungsbereiche abgeladen, die sich unmittelbar auf dem Deck eines Verlegeschiffs befinden – der dort untergebrachte Vorrat an Rohren muss für 12 Stunden Arbeit reichen.

Wie werden die Rohre verlegt

Auf dem Verlegeschiff ist ein spezielles Fließband installiert – die darauf beförderten Rohre werden hier auch verschweißt. Anschließend wird jede Schweißnaht mit Ultraschall auf Mängel geprüft. Nach der Verschweißung werden alle Schweißnähte gegen Korrosion beschichtet. Die miteinander verschweißten Rohre bewegen sich am Band in Richtung Heck. Hier ist ein Stinger angebracht – ein spezieller Ausleger, der mit einem Neigungswinkel ins Wasser eintaucht, über den die Rohre langsam auf den Meeresgrund abgesenkt werden. Gerade er gibt die erforderliche Biegung des oberen Teils der Pipeline vor, wodurch eine Metallverformung verhindert wird.

Die Rohre bleiben in der Regel infolge ihres Eigengewichts auf dem Meeresgrund liegen – es ist nicht notwendig, sie extra zu befestigen, weil jedes mit Beton beschichtete Rohr bis zu mehreren Tonnen wiegen kann. Nur an einigen Stellen, z.B. an den Ausgängen ans Land werden die Rohre zur Stabilisierung in speziellen Rohrgraben verlegt und von oben mit Erde bedeckt.

Aus dem Meer ans Land

Die Verlegung einer Unterwasser-Gaspipeline beginnt in der Regel nicht vom Land aus, wie man es sich gut vorstellen könnte, sondern im Meer. Eine Gaspipeline kann aus einigen Abschnitten bestehen, die zu verschiedenen Zeiten von verschiedenen Schiffen gebaut und dann miteinander verbunden wurden – die Gasleitungen müssen doch in verschiedenen Abschnitten unterschiedlichem Druck standhalten, und dafür werden Rohre mit unterschiedlicher Wandungsstärke verwendet.
Nach Bauabschluss des Unterwasserteils werden die Rohre mittels einer speziellen Winde ans Land gezogen, die auf dem Festland installiert, mit dem Rohr über Drahtseile verbunden ist und das Rohr langsam aus dem Meer zieht. Anschließend wird die Rohrleitung mit ihrem Landabschnitt verbunden – die s.g. rückwärtige Verbindung (tie-in).

Die Hydroprüfung der Pipeline ist eine Pflichtphase. Sie wird dazu unter erforderlichem Druck mit Wasser gefüllt und zur Ermittlung eventueller Mängel eine Zeitlang in diesem Zustand gehalten. Auch nach der Inbetriebnahme der Gaspipeline erfolgt ein sorgfältiges Monitoring ihres Zustandes. Zu diesem Zweck werden spezielle elektronische Geräte zur In-Rohr-Diagnose eingesetzt.