Wie wird Erdgas befördert

Nachdem Gas aus dem Erd- oder Meeresinneren extrahiert worden ist, muss es den Abnehmern geliefert werden. Die Länge der Gasleitungen und der Gasverteilungsnetze ist um das Mehrfache größer als der Erdumfang.

Bei langen Strecken wird Gas durch Gasfernleitungen befördert, und bei der Gasbelieferung der Gasabnehmer werden schon Gasleitungen mit einem kleineren Durchmesser eingesetzt –Gasverteilungsnetze. Je nach der Kategorie des Abnehmers unterscheidet man Niederdruck-Gasverteilungsleitungen (für die Gasversorgung von Wohnhäusern) und Mittel- und Hochdruck- Gasverteilungsleitungen (für die Gasversorgung von Industrieunternehmen).

Vor dem Rohr

Das meist verbreitete Verfahren für die Gasbelieferung der Gasabnehmer ist die Gasbeförderung durch Rohre.

Das Gas muss jedoch vor dem Einbringen in die Rohre aufbereitet werden. Das Problem ist, dass aus dem Bohrloch zusammen mit Gas verschiedene Beimischungen austreten, die die Geräte beschädigen können. Das Gas wird davon mehrmals gereinigt: Unmittelbar beim Austreten aus dem Bohrloch, in oberirdischen Abscheidern und dann noch beim Transport und auf Kompressor-Stationen.

Der Beförderungsprozess an sich bedarf einer genauen Überwachung durch ein ganzes Team von Dispatchern, die die Beförderungs-Betriebsarten registrieren. Sie müssen den ungleichmäßigen Gasverbrauch am Endpunkt in Abhängigkeit von Tages- und Jahreszeit erfassen.

Überflüssiges im Gas

Gas muss getrocknet werden, weil die darin enthaltene Feuchte die Geräte beschädigt und im Rohr Pfropfen bilden kann – die s.g. Kristallhydrate, die äußerlich feuchtem verdichtetem Schnee ähneln. Gas wird getrocknet, indem es durch Adsorptionsmittel befördert wird, oder indem der Gasstrom abgekühlt wird. Gas kann mittels Kühlanlagen oder durch Drosselung – Druckreduzierung im verengten Teil der Rohrleitung – abgekühlt werden. Außerdem werden aus Gas, bevor es ins Rohr eingelassen wird, Schwefelwasserstoff und Kohlendioxid entfernt.

Da Erdgas geruchlos ist, wird es vor der Beförderung zu den Abnehmern odoriert.

Im Sommer braucht man auch weniger Gas

Wird die Ungleichförmigkeit des Gasverbrauchs im Laufe eines Tages von den Dispatchern gesteuert, so werden die saisonabhängigen Bedarfsschwankungen durch die Veränderung der Betriebsarten der Erdgaskompressoren-Station (KS), wo Gas verdichtet wird, oder durch den Anschluss an die Gasleitung zu einem Untergrund-Gasspeichers (UGS) ausgeglichen.
Bei der Verdichtung von Gas an der KS wird dessen Temperatur erhöht, weswegen das Gas wieder abgekühlt werden muss, um eine Beschädigung der Geräte zu vermeiden. Zu diesem Zweck werden Luftkühler (LK) eingesetzt. Außerdem wird Gas abgekühlt, um die Gasleitungskapazität zu erhöhen.
Erdgas nimmt das kleinste Volumen in flüssigem Zustand ein. Es kann auch so befördert werden, allerdings in speziellen Behältern.

Gas in Zahlen

Derzeit geht man von einem wirtschaftlichen Durchmesser einer Gasleitung von max. 1420 mm aus.
Das russische Pipelinenetz ist das größte der Welt. Die durchschnittliche Gas-Beförderungsentfernung betrug 2010 über 2500 km bei inländischen Lieferungen und annähernd 3300 km bei Export-Lieferungen.
Derzeit macht die Gesamtlänge der Ferngasleitungen in Russland 161.700 km aus. Würden sie in eine Linie ausgestreckt, könnten sie die Erde viermal umkreisen.
Die Gasverteilungsleitungen, die von Tochtergesellschaften und verbundenen Unternehmen von Gazprom betrieben werden, sind über 632.000 km lang, d.h. 80% der Gesamtlänge der Gasverteilungsnetze in Russland. Somit beträgt die Länge sämtlicher Gasverteilungsnetze in Russland ca. 765.000 km, was beinahe um das 20-fache mehr als der Erdumfang ist.