Wie werden die Erdgaslager eingestuft

Die Bodenschätze, denen die stürmische Entwicklung der modernen Menschheit zu verdanken ist, bildeten sich in der Kreidezeit des Mesozoikums. Diese Periode begann vor 145–146 Mio. Jahren und endete vor 65 Mio. Jahren. Global gesehen ist das gar nicht so viel, weil die Erde nach den aktuellen wissenschaftlichen Informationen gegen 4,5–4,6 Mrd. Jahre alt ist.

Die Menschheit ist nur etwa 200 Tausend Jahre alt. Und die Erdgas-Gewinnung begann erst im vorigen Jahrhundert.

 
Mesozoikum (vor 251–65 Mio. Jahren)
251–199
Trias
199–145
Jura
vor 145–65 Mio. Jahren

Kreidezeit

Gerade in der Kreidezeit, die 80 Mio. Jahre dauerte, lebten die größten Tiere der ganzen Erdgeschichte – die Dinosaurier. Es ist auch bekannt, dass das Aussterben dieser Tiere auf das Ende der Kreidezeit fällt. Die Wissenschaftler sind sich bis heute uneins, was die Ursachen dafür waren. Eine der führenden Theorien über die Entstehung der Bodenschätze ist dabei gerade die biogene Theorie.

Biogene Theorie

Derzeit gibt es unter den Wissenschaftlern immer noch keine einheitliche Meinung über die Erdgasentstehung (wie übrigens auch über die Erdölentstehung). Zwei Grundkonzepte – das biogene und  das abiotische – begründen verschiedene Ursachen für die Bildung der Kohlenwasserstoff-Bodenschätze im Erdinneren.

Nach Meinung der Anhänger der biogenen Theorie über die Erdgas- und Erdölbildung zerfielen die toten Lebewesen, die auf den Boden der Wasserbecken sanken, im luftlosen Raum. Die Überreste der organischen Substanzen sanken infolge geologischer Bewegungen immer tiefer und verwandelten sich unter Temperatur- und Druckeinflüssen in Kohlenwasserstoff-Bodenschätze, zu denen auch Erdgas gehört.

Stufen und Unterstufen

Wenn man weiß, mit welchem Erdmaterial man es zu tun hat, kann man vermuten, welche Bodenschätze, in welcher Menge und in welchen Verhältnissen darin enthalten sind. Die Erdgaslager (Stufen und Unterstufen) sind nach den Zeitabschnitten der Kreidezeit bezeichnet.

Kreidezeit:

  • Maastricht
  • Campan
  • Santon
  • Coniac
  • Turon
  • Cenoman
  • Alb
  • Apt
  • Barreme
  • Hauterive
  • Valendis
  • Berrias

Den Kreidezeitstufen wurden die Namen von Ortschaften und Schlössern – hauptsächlich in Frankreich, in der Niederlande und in Dänemark – gegeben, in deren Nähe die ihnen zeitlich zugeordneten Schichten gefunden wurden. So liegen zum Beispiel über den Turon-Lagern die Coniac Stufe, etwas höher die Campan Stufe (nach der Provinz Champagne genannt) – diese Bezeichnungen sind hauptsächlich wegen der alkoholischen Getränke bekannt, die traditionell in diesen Ortschaften hergestellt werden. Ist nicht etwa die Wahrscheinlichkeit attraktiv, zum Beispiel Kognak-Gas gewinnen zu können?

Lithologie ist die Wissenschaft von Sedimentgesteinen und gegenwärtigen geologischen Anlagerungen, deren Zusammensetzung, Struktur, Gesetzmäßigkeiten, Entstehungsverhältnissen und Veränderungen.

Turon-Erdgas

Turon-Gas ist das jüngste Erdgas sowohl nach der Altersklasse der Auflagerung als auch nach dem Beginn der Gewinnung in Russland. Die Turon-Stufe (nach dem altertümlichen Namen der französischen Stadt Tours) liegt gegen 800 m tief. Diese Lager zeichnen sich durch die nichthomogene und wechselhafte lithologische Zusammensetzung sowie die niedrige Penetration der Speicher aus.

Die größte Schwierigkeit bei der Erschließung besteht in der Arbeit unter Temperaturbedingungen nahe dem Gefrierpunkt. Die Turon-Erdgasgewinnung begann in Russland erst 2011.

Cenoman-Erdgas

Die Cenoman-Erdgaslager, die unter den Turon-Erdgaslagern liegen, sind einzigartig nach ihrem Volumen und am leichtesten zu fördern. Die Cenoman-Stufe leitet ihre Bezeichnung vom lateinischen Namen der französischen Stadt Le Mans – Cenomanorum – ab. Die Cenoman-Erdgaslager liegen 1000–1700 m tief, sie stellen hauptsächlich die Methan-Aggregationen dar, und ihre Verarbeitung ist nicht aufwändig. Die Geschichte der Entwicklung der Gasgewinnung in Russland gründet vor allem auf dem Cenoman-Erdgas.

Übersetzt aus dem Französischen heißt „Neuchatel“ sinngemäß „Neukastell“

Valendis-Erdgas

Viel niedriger, einige Stufen unterhalb des Cenoman-Erdgases, dessen Vorräte allmählich zur Neige gehen, liegt die Valendis-Stufe, deren Bezeichnung ebenfalls von dem Namen eines schweizerischen Schlosses abgeleitet ist. Das Valendis-Erdgas befindet sich 1700–3200 m tief und zeichnet sich durch einen bedeutenden Ethan-Gehalt, Propan-Gehalt und Gaskondensat-Gehalt aus. Die Valendis-Stufe ist ein Teil der Neokom-Überstufe, zu der auch die Berrias-, Hauterive- und Barreme-Stufen gehören. Die Bezeichnung Neokom stammt vom lateinischen Namen des schweizerischen Kantons Neuchatel. Die Berrias-Stufe wird oft als die niedrigste Unterstufe der Valandis-Stufe betrachtet. Weiters folgen schon die Stufen der Jura.

Achimov Formation

Die Achimov-Formation, die auch bedeutende Erdgasvorräte aufweist, bleibt auch heute ein geologisches Untersuchungsobjekt. Die Achimov-Lager werden sehr häufig den niedrigsten Neokom-Stufen und sogar dem Jura zugeordnet.

Die Neokom-Überstufe (Neocomium – lat. Bezeichnung des Kantons Neuchatel, Schweiz) ist eine Formation des unteren Teils der Kreidezeit. Ursprünglich wurde sie als die niedrigste Stufe des Kreidesystems betrachtet. Nach der betreffenden Ausgliederung der Berrias-, Hauterive- und Barreme-Stufen wird sie üblicherweise als eine vereinigende Formation der Überstufenebene verstanden.

Für das Achimov Erdgas sind die Lagerungstiefe von ca. 4000 m, die kompliziertere geologische Struktur, der anomal hohe Lagerdruck und der bedeutende Gehalt von schweren Paraffinen kennzeichnend.